24.05.2015 // Toby: Puh. Seit einer halben Stunde starre ich auf ein digitales weißes Blatt und weiß einfach nicht, was ich schreiben soll. Unbeschreiblich!

Das ist vielleicht das einzige Wort, das irgendwie passt.

Die Buenos Aires City Tour ist mit dem gestrigen Abend Geschichte und es ist kaum zu fassen, was wir in den letzten Tagen erleben durften. Wirklich realisieren werden wir es sicherlich erst in ein paar Wochen, wenn die Ruhe in unsere Leben zurückgekehrt ist und wir mit dem Alltag konfrontiert werden. In jedem Fall werden wir viele Erinnerungen mit nach Hause nehmen und wohl noch in ferner Zukunft von diesem Trip erzählen.

Der letzte Konzertabend gestaltete sich im Anlauf schwierig. Die deutsch-argentinisch-bolivianische Party des Vortags steckte uns noch zu sehr in den Knochen. Daher: Füße hoch und rumliegen. Die Fußballergebnisse konnten uns auch nicht begeistern, geschweige denn irgendwie wachrütteln. Gott sei Dank kamen gegen Nachmittag Bine und Niels rum und auch unsere Sportsfreunde Micha und Peter klopften irgendwann gegen unsere Zimmertür. Auf zum letzten gemeinsamen Asado bei Ernesto. Mit ca. 15 Personen wurden wieder Chorizos, beef de lomos und cervezas verschlungen. Doch wirklich fit sahen die Wenigsten aus. Mit der U-Bahn ging es dann weiter zum Club. Auf dem Weg zur Haltstelle passierten wir den Plaza de Mayo und staunten erstmal nicht schlecht: Eine riesengroße Bühne, überall Leinwände und eine ganze Straße voll mit Menschen. Buenos Aires bereit sich auf den morgigen Nationalfeiertag vor. Das wird bestimmt auch eine gute Sause!

Am Club angekommen gab es die üblichen Begrüßungsrituale: Handschläge, Umarmungen, Küsschen und anstoßende Flaschen. Einige Mitreisende sahen schon deutlich angeschlagen aus, aber dem Großteil war auch heute die Vorfreude auf das letzte Konzert anzusehen. Gegen 20 Uhr machten wir uns auf den Weg in die Location und zumindest bei mir stellte sich eine gewisse Ernüchterung ein: Das Groove ist ein langer Schlauch mit völlig überfülltem Innenraum. Da die Argentinier standesgemäß noch später die Clubs betreten kamen wir ohne Probleme nach vorne links, um von dort aus das Konzert zu zelebrieren. Je später es wurde desto mehr Menschen kämpften sich nach vorne und es wurde unangenehm voll. Es lag in der Luft, dass es hier gleich richtig zur Sache gehen würde.

Licht aus, Intro, Bonnie & Clyde, Vollgas! Der vordere Bereich des Innenraums wurde schlagartig von den hinteren Fans komprimiert und man konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Liebeslied, Auswärtsspiel, wieder ein Brett zum Anfang. Einmal in Fahrt wurde vorne weiter geschoben, gedrückt, bisweilen getanzt. Für die ersten Deutschen war es zu heftig, so dass sich die ersten Fans nach hinten verabschiedeten. Schade, keine Party zusammen. Auch heute hauten die Hosen wieder einige Raritäten raus und ließen keine Langeweile aufkommen. So wurde schon früh „Halbstark“ angestimmt, was von Argentiniern, wie von Deutschen frenetisch mitgesungen wurde. Außerdem erstmals dabei: „Azzuro“! Besonders toll fand ich, dass „Willkommen in Deutschland“ wieder gespielt wurde. Ein solch wichtiges Lied! Nur traurig, dass es dank Pegida & Co. wieder Anlässe gibt diesen Song zu spielen. Mit fliegenden Fäusten und einem „Schönen Gruß“ endete dann auch schon der erste Teil der Show.

Mit Campinos Schwester Maria im Gepäck kamen die Hosen dann zurück auf die Bühne. „Alles wird vorübergehen“! Erstmals realisierte ich, dass diese großartige Zeit schon bald vorbei sein wird. Scheiße! Doch bevor sentimentale Gefühle aufkommen konnten bretterten uns die Jungs „1000 gute Gründe“ um die Ohren. Mit viel Bommerlunder und einer enthusiastischen Stimmung wurden wir abermals verabschiedet. Auch bei der zweiten Rückkehr auf die Bühne kamen die Hosen mit Gästen um die Ecke. Pil & seine Bandmitglieder stimmten „Uno, dos, ultraviolento“ an und Buenos Aires drehte ein letztes Mal vollkommen durch. Für mich ist dieses Lied definitiv der Soundtrack dieser Reise. Den argentinischen Singsang werde ich wohl nie wieder vergessen.

Im Anschluss dann „Freunde“ mit Pipi in den Augen. Campino erzählte von einem deutschen Fan, der nach einer schweren Krankheit 1 ½ Monate vor dem geplanten Trip nach Buenos Aires verstarb und seine letzten großen Traum nicht verwirklichen konnte. Der Song war für ihn und seine Freunde. Eine große Geste. Das Lied wurde dann auch zur Nebensache und auch Campino war völlig neben der Spur. Er erklärte, dass er in diesen Momenten an Manfred Meyer denken musste, der die Band jahrelang um die Welt begleitete und dessen Asche teilweise in seiner Lieblingsstadt Buenos Aires verstreut wurde. Puh. In diesen Momenten kann man nur dankbar für dieses Leben und das Glück, das wir zusammen teilen sein. „Freunde“ endete mit einem Bild des deutschen Fans an Voms Basedrum, das bis zum Ende dort stehen bleiben sollte.

„Dias como estos“ bildete den Abschluss des zweiten Zugabenblocks und selten war dieser Song so passend. Band und Fans sah man an, dass es am Besten ewig so weiter gehen sollte, wir wünschten uns die Unendlichkeit des Moments. Dass vor allem die Band noch nicht vorhatte den Abend zu beenden merkte man bei der dritten Zugabe. Nochmal fünf Songs obendrauf inklusive Campinos Kletteraktion beim „Wort zum Sonntag“. Am Ende dann nochmal „You’ll never walk alone“ und allen war klar: In Buenos Aires werden die Hosen niemals alleine durch den Regen gehen müssen. Die argentinischen Fans würden ihnen auch in den nächsten 20 Jahren die Treue halten.

Die Musik vom Band setzte schon ein, als die Hosen nochmals die Bühne enterten. Zuvor sang das komplette Groove ihre Lieder und feierte die Band. Die Fans wollten die Band nicht gehen lassen und irgendwie wollten auch die Jungs immer weiter machen. Also wieder: Regler nach rechts, Vollgas! „All die ganzen Jahre“ und „Bis zum bitteren Ende“. Dann Diskussionen mit dem Publikum: sollte nun „Paradies“ oder „Verschwende deine Zeit“ gespielt werden? Klare Ansage: kein oder… UND! Also hauten die Hosen auch diese beiden Lieder nochmal raus, bevor das Konzert dann endgültig vorbei sein sollte.

Bei eingeschaltetem Hallenlicht standen wir dann im Groove: nass, ausgepumpt und glücklich bis in die letzte Faser unserer Körper. Aber von Ruhe keine Rede. Mit Tobi und vielen anderen Fans ging es weiter in Roxy, ab 01:30 Uhr sollte hier das Ende der Tour begossen werden. Nach einem Abstecher bei den Dream Studios erreichten wir den Club gegen 02:00 Uhr. Schon jetzt war es rappelvoll. Auf der Bühne stand eine Ramones Coverband, die später durch Vertreter der Violadores abgelöst wurde. Nochmals hörten wir „Uno, dos, ultraviolento“ live durch die Anlage. Großartig, um mit den besten Freunden den Tourabschluss zu feiern. Zwischen den Pausen der Bands legte ein DJ immer wieder Musik auf, so dass fast unbemerkt vier von fünf Hosen hinter dem Bühnenvorhang ihre Postionen einnahmen, um nochmal ein kurzes Set zu spielen.

Start mit „Blitzkrieg Bop“ und „Rockaway Beach“ – Ein Tribut an die einzigartigen Ramones. Campino erklärte, dass sie einfach nicht genug von Buenos Aires und der Atmosphäre bekommen könnten und nochmals Bühnenluft schnuppern wollen. Lediglich Kuddel sei zu der späten Stunde schon im Bett, wäre aber egal, ohne ihn würden die Songs eh besser klingen. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht hauten die restlichen Hosen uns dann noch „Bis zum bitteren Ende“, „Opel-Gang“ und „First time“ um die Ohren. Grandiose Sache!

Nach dem Mini-Konzert waren wir schlagartig wieder wach und topfit. Also Kaltgetränke besorgen und weiterfeiern! Gegen 05:45 Uhr fielen Tobi und ich dann ins Bett. In meinem Kopf: Ein Traum von Buenos Aires.