19.05.2015 // Toby:

In Buenos Aires beginnt der Tag heute mit Regen. Passt mir ganz gut. Einerseits ist es die perfekte Legitimation für einen Tag im Bett, andererseits erhoffe ich mir etwas Abkühlung.

Hier ist es auch im Herbst noch echt warm und vor allem sehr schwül. Der Tag des dritten Konzertes plätschert so vor sich hin: schlafen, etwas aufräumen und irgendwann mal ein Sandwich futtern. Der Club der heutigen Show liegt direkt bei uns um die Ecke, so dass wir problemlos hin und her pendeln können. Um 17 Uhr ist es dann mit der Ruhe vorbei. Wir bekommen Besuch von Freunden und starten das abendliche Ritual: Steak, Chorizo und Cerveza bei unserem Stammrestaurant „Don Ernesto“ in San Telmo.

Nach der argentinischen Völlerei laufen wir die letzten Meter bis zum La Trastienda Club und begrüßen den Rest der Bande. Noch 1, 2 Bierchen von den fliegenden Händlern auf der Straße und auf in das dritte Konzertabenteuer. Der Club fasst ca. 700 Personen und gefällt mir schon beim Eintritt. Stahlträger tragen einen Balkon rund um den Innenraum und werden für Campi später bestimmt zum Klettergerüst. Da wir erstmalig pünktlich sind können wir uns heute die komplette Argies Show anschauen. Was eine großartige Band! So langsam können wir auch die spanischen Lieder mitsingen, wenngleich wir inhaltlich nichts verstehen, wird aber schon irgendwie passen. Mit Hilfe der Musik und dem Partymodus der Argentinier kommen wir langsam in Fahrt. Cerveza? Una mas!

Umbaupause und dann geht’s in Runde 3. Zu den Klängen vom Sirtaki schunkeln wir uns ein und dann – steht alles unter Strom, vom ersten bis zum letzten Ton. Lustigerweise wussten die Hosen in diesem Moment noch nicht, dass Strom noch sehr wichtig werden wird an diesem Abend. Als erstes Highlight hauen die Jungs „Venceremos!“ raus. Ewig nicht mehr gehört. Klasse, dass sie immer wieder die Setlist umändern und bei jeder Show neue Perlen auspacken.

Nächster Höhepunkt: Campino erzählt von seinem Spaziergang in San Telmo, wo er auf einen Haufen Straßenmusiker getroffen ist. Spontan schnappte er sich das Mikro und sang mit ihnen „Blitzkrieg Bop“. Zum Dank lud er eben diese Musiker zum Konzert ein und holte den Gitarristen auf die Bühne. Mit dem Instrument ausgestattet hauten sie nochmals zusammen den Ramones Klassiker raus. Die Moves des Straßenmusikers umfassten dabei jede Pose des Rock’n’Rolls. Ich glaube er hatte Spaß. Mit „Représion“ coverten die Hosen auch heute eine bedeutende argentinische Punkband. Ich liebe dieses Lied! Und endlich konnte ich es mal live hören! Bei „Wünsch DIR was“ kletterte Campino über den Balkon auf einen Stahlbalken und ließ sich von dort in die Masse fallen. Sieht stark aus, kommt gut an und würde ich mit 50 gerne auch noch können. Mit „Schönen Gruß, auf Wiedersehen“ wurden wir dann das erste Mal verabschiedet.


Im ersten Zugabenblock begannen die Hosen wie schon im Teatro mit „Alles wird vorübergehen“, welches Campino mit seiner Schwester Maria sang. Schon hier deuteten sich erste Probleme mit der PA an. Welche dann bei der zweiten Zugabe zu größeren Problemen führen sollte. Nach den „Moorsoldaten“, dass bei mir wie immer für pure Gänsehaut sorgte, sollte „Dias como estos“ folgen. Doch bei den ersten Klängen hörte man nichts mehr. Die Band stand verdutzt auf der Bühne und niemand konnte das Problem auf die Schnelle beheben. Außer natürlich die argentinischen Fans, die ein Lied nach dem nächsten anstimmten und sich gegenseitig immer weiter anheizten. Vor allem Breiti hatte daran seinen Spaß und sang einfach lautstark mit, als Campino ihm das Megafon für eine Ansage übergab. Die Gesänge mündeten schlussendlich in einer Megafon/Publikums Version von „Eisgekühlter Bommerlunder“ bevor angekündigt wurde, dass es nach einer kurzen Pause weitergehen würde.

Nachdem die Probleme mit dem Strom und der PA gelöst wurden, ging es nach ca. 10 Minuten weiter. „Dias como estos“ wurde erneut angestimmt. Hierbei ergab sich dann eine großartige Situation für Mona. #Michamachts schnappte sich die völlig überraschte Kleine, packte sie auf die Schultern und rannte mit diversen anderen Fans (Hallo Tobi) vor an die Bühne. Als großer Bruder konnte ich nur noch lachen und mir keine besseren Freunde als diesen bekloppten Haufen vorstellen. Nachdem Mona sicher wieder zurückgetragen wurde, holten die Hosen nochmals die Argies auf die Bühne, um gemeinsam „Police on my back“ rauszuhauen. Unglaubliche Stimmung, unglaubliche Band. Leute! Geht zu den Argies und kauft ihre CDs! Es lohnt sich zu 100%! Im Anschluss wurden wir dann zu den Klängen von „You’ll never walk alone“ verabschiedet. Glücklich und völlig durchnässt endete der dritte Konzertabend in Buenos Aires.

Nach der Show eilten wir schnell zurück ins Hotel: Duschen, packen und schlafen. Nach 3h im Bett ging es für die Reisegruppe Mona, Hannes & Toby nach Iguazu, wo wir die off-Tage verbringen werden. Von hier aus bestell ich euch laute & sonnige Grüße aus dem neuen Raketen Office! Haut rein und immer schön Caipi kippen!