17. & 18.05.2015 // Toby: Nach den ersten beiden Shows stehen für uns zwei off Tage an. Zeit sich mal zu entspannen und die Füße hochzulegen. Theoretisch.

Praktisch gestaltet sich der Sonntag dann doch komplett anders. Nach 3h Schlaf geht es auf den Flohmarkt von San Telmo. Wasserhähne, Telefone mit Wahlscheibe, Familienbilder von vor 80 Jahren: hier bekommt man echt alles. Musikalisch wird der Flohmarkt von Tangoklängen untermalt. An jeder zweiten Ecke kann man den argentinischen Tanz live erleben oder für ein Foto posen. Nach einer Kaltschale zum Frühstück kommen wir alle wieder in Schwung. Wir entdecken ein lokales Fest in einem abgerockten Bauareal. Alles kaputt und mit Graffitis übersät. Die Einheimischen feiern trotzdem eine Grillparty und wir genehmigen uns die ersten Chorizos des Tages.

Zu Fuß geht es dann weiter ins Bocca Viertel. Zu Fuß? Seid ihr wahnsinnig?! Kriminalität, Drogen, Prostitution und Armut machen diesen Stadtteil zum Krisengebiet der Stadt – falls man den Reiseführern Glauben schenken mag. Doch unsere Truppe ist mit zwei erfahrenen Buenos Aires Fahrern unterwegs und so leiten uns Micha und Peter sicher und ohne Zwischenfälle zum Stadion der Bocca Juniors und durch das Viertel mit den bunten Häusern. In jedem Fall eine spannende Gegend die uns eine andere Sicht auf Buenos Aires gibt. Teilweise hausen die Bewohner in kleinen Hütten neben der Bahntrasse oder liegen gänzlich ohne Bleibe zwischen Müllbergen und Gräbern die links und rechts der Bahnstrecke zu finden sind. Das Ganze im Schatten der Bombonera, dem Stadion der Bocca Juniors. Fußball hält hier vieles, wenn nicht sogar alles zusammen.

Mit der Kraft von chronischem Schlafmangel, Cerveza und ordentlich Sonne auf dem Schädel entwickelt sich die Truppe zu einem einzigen Partyzug durch die Stadt. Im touristischen Bocca angekommen starten wir mit #michamachts ein Wünsch DIR was Programm für Mona. Jeder Wunsch wird ihr von Micha erfüllt. Egal ob ein Teller Reis, bunte Zuckerwatte, ein Foto mit dem Tangotänzer oder Welpenknuddeln, Micha organisiert alles. Bisweilen habe ich Bauchschmerzen vom Lachen. Einfach herrlich, wie unsere kleine Reisegruppe funktioniert und Mona integriert. Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können!

Im Taxi nach Hause geht dann die Party einfach weiter. Wir singen furchtbare Schlagerlieder und heizen mit 120 durch die Innenstadt. Der Taxifahrer hat ebenfalls beste Laune und dreht die Anlage seines Autos richtig auf: 90er Jahre Trash Pop. Was eine geile Fahrt mit unbezahlbaren Blicken der übrigen Verkehrsteilnehmer. Im Hotel angekommen machen wir uns fertig für den Abend: Zimmerparty inklusive Crowdsurfing über die Betten. Der Abend endet in unserem „Stammlokal“ um die Ecke. Der Wirt kommt aus dem Lachen nicht mehr raus nachdem wir zum zweiten Mal sein Restaurant entern. Schon am Tag zuvor hatten wir hier ordentlich Spaß und durften uns sogar per Edding im Lokal verewigen. Beim letzten Rum-Cola auf dem Zimmer ist dann wirklich Schluss. Was ein großartiger Tag!

Ich blinzele mit den Augen. Der nächste Tag bricht an. Unser Zimmer ist leicht verwüstet und stinkt bis zum Himmel. Erstmal frühstücken und aufräumen. Im Anschluss machen wir uns wieder auf den Weg, es gibt einfach zu viel zu sehen und zu viel zu erleben! Mona hat heute Shopping Day: vier Jungs gehen in die Kneipe und Mona macht auf der größten Einkaufsstraße die Läden unsicher. Nach weniger als einer Stunde steht sie aber schon wieder auf der Matte und sagt „fertig“. Irgendwie dachten wir alle, dass sie deutlich länger unterwegs ist. Gleichzeitig sind wir aber auch froh, dass sie uns aus dieser schrecklich überteuerten Tourikneipe befreit.

Nun wollen auch die Jungs shoppen und so machen wir uns auf den Weg zur legendären Bond Street. Ein wahres Paradies für Punkrockliebhaber und Tattoofans. Ramones Shirts, Platten von Black Flag oder Figuren von den Rolling Stones – alles untermalt vom Surren der Tattoonadel. Einmalig! Sowas hatte ich zuvor noch nirgendwo gesehen!

Der Tag neigt sich langsam dem Ende entgegen und wir machen noch einen kurzen Abstecher in den Stadtteil Recoleta mit seinen Palmen und dem beeindruckenden Friedhof. Hier reihen sich imposante Grabesstädten aneinander und geben ein irres Gesamtbild ab. Nach der Happy Hour im Hard Rock Cafe von Buenos Aires machen wir uns auf zum letzten Programmpunkt des Tages: Concerto!

Auch wenn die Hosen heute nicht spielen brauchen wir Musik. Gott sei Dank spielen die Argies zusammen mit Tim von Holst einen Unplugged-Gig in einer kleinen Location in Recoletta. Im Laden ist es unglaublich schwül und trotzdem drängen sich viele Fans mit Literflaschen Cerveza bewaffnet in die vordersten Reihen um dem Konzert folgen zu können. Die Argies liefern, wie schon als Vorband beim ersten Hosenkonzert, eine tolle Show ab und sorgen für eine richtig gute Stimmung. Im Anschluss lässt es Tim etwas ruhiger angehen, doch auch seine Songs ziehen das Publikum in seinen Bann. Begleitet wird er zeitweise von Kuddel an der Gitarre und später kommen auch noch die Argies dazu um mit „Police on my back“ von The Clash das Konzert stimmungsvoll zu beenden.

Für uns geht es zum Abschluss auf die Dachterrasse der Dream Studios. Hier hat sich wohl die größte deutsche Reisegruppe eingemietet. Mit einem herrlichen Blick über die Stadt lassen wir die beiden letzten Tage ausklingen.