17.05.2015 // Toby: Nach 3h Schlaf wache ich völlig zerstört in meinem Bett auf. Neben mir eine Pfütze in der mein Handy schwimmt. Ich bin verwirrt.

Was war passiert?

12h vorher: Wir machen uns auf dem Weg zum Teatro, eine der wohl legendärsten Locations in Buenos Aires. Vor dem Laden werden erstmal die bekannten Gesichter begrüßt und die ersten Kaltschalen gekippt. In dem ganzen Trubel entdecke ich Tobi. Er wedelt mit einem Ticket, was er wohl verkaufen will. Stop! Wo ist eigentlich mein Ticket?! Nach einer kurzen Panikattacke dann die Erkenntnis: DAS ist mein Ticket. Wie ist es zu Tobi gekommen? Warum will er es verkaufen? Egal, ab ins Teatro.

Die Location ist wirklich der Hammer. Neu renoviert mit Kronleuchtern, breiten Treppen und einem Balkon um den gesamten Innenraum. Architektonisch lecker! Ich parke mich mit einem 1l Cerveza auf dem Balkon rechts oben und treffe Johannes und diverse andere deutsche Fans. Tobi kann ich von oben unten im Innenraum sehen, genau wie viele andere bekannte Gesichter. Im Vergleich zum Vortag sind deutlich mehr Fans und vor allem argentinische Fans am Start – und das merkt man! Vor Konzertbeginn wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Lieder vom Band werden gnadenlos mitgesungen und mit dem „Buenos Aires Rawr“ begleitet.

Dann Licht aus. Vollgas! Direkt als ersten Song hauen die Hosen „Bonnie & Clyde“ raus. 1200 Fans drehen vollkommen durch. Kein Vergleich zum Konzert im Uniclub. Ich bin kurzzeitig sprachlos, was sich da unten im Innenraum abspielt. Dann reißt es mich aber auch einfach mit und jedes Lied wird lautstark mitgesungen – eine unglaubliche Stimmung. Dafür bin ich hier! Das sind die Toten Hosen in Buenos fucking Aires!

Die Setlist bietet einige Änderungen zum Vortag und glänzt mit einigen Perlen. Seit einer gefühlten Ewigkeit höre ich mal wieder „Unsterblich“ und freue mich wie ein Schneekönig. Für die erste Zugabe holt Campino seine Schwester Maria auf die Bühne. Zusammen singen sie „Alles wird vorübergehen“. Besonders klasse finde ich das Attaque 77 Cover „Donde los aguilas“, das ich zusammen mit dem Sänger der Argies im Innenraum mitgröhle. Dann „Freunde“, „Walk on“ und das Licht geht wieder. Man blickt in glücklich strahlende Gesichter in komplett durchgeschwitzten T-Shirts. Was ein geiler Abend!

Im Anschluss an das Konzert feiern wir im Roxy Music Club bis in die frühen Morgenstunden weiter. Noches como estos! Sie dürfen nicht enden! Als ich schlussendlich dann doch wieder im Hotel bin nimmt das Unheil seinen Lauf. Eine Wasserflasche wird nicht richtig geschlossen und fällt im Laufe der Nacht neben meinem Bett um. Wasser fließt und mein Handy geht tauchen nachdem ich es wohl im Schlaf vom Nachttisch gestoßen habe. Schöne Scheiße. Sonst nur Geschichten von geklauten Handys auf Konzerten oder nachts auf der Straße und ich mache sowas. Leben am Limit.

Tobi: Ziemlich Sprachlos von den ganzen Eindrücken der Stadt und den unfassbar geilen Konzerten versuche ich mal meine Erfahrung der letzten Tourtage zusammen zu fassen.

Wir starteten den Abend in großer Gruppe beim Steak essen und fahren anschließend mit zwei Taxis quer durch die Stadt. Am Vorterix Teatro angekommen steckt mir Johannes ein Konzertticket für Mona zu, doch die hatte sich bereits im Vorfeld für eine Pause entschieden. Daher versuchte ich einen Fan vor dem Ausverkauften-Laden glücklich zu machen, bis Toby mit Panik in den Augen auf mich zu lief und sich „sein“ Ticket sicherte – Kommunikationsschwierigkeiten gibt es wohl nicht nur zwischen uns und den Argentiniern :-)

Im inneren des Teatro bot sich eine Wahnsinns-Kulisse, es gibt wenig so schicke und dazu gleich perfekt für Konzerte geschnittene Konzerträume wie diese. In Deutschland sollten ebenfalls Theatersäle für solcher Art von Konzerten geöffnet werden. Statt auf dem Balkon positionierte ich mich mit Freunden vorne Links zwischen Bühne und Bar. An die Biergrößen habe ich mich noch nicht ganz gewöhnt, Standardmäßig hole ich für alle ein großes Bier um nachher wieder zu bemerken das hier ein großer Becher 1 Liter und nicht wie in Deutschland 0,5 Liter fasst.

Kaum erklingen die ersten Töne von Bonny & Clyde begann der Kessel vor der Bühne wieder völlig auszurasten. Heilfroh seit einem Jahr auf Kontaktlinsen umgestiegen zu sein sprang ich beim dritten Song in die tosende Masse. Voller Adrenalin ist es mir völlig egal als mich ein Springerstiefel im Gesicht trifft, früher oder später verheilt auch die letzte Wunde.

Statt im Roxy ließ ich den Abend mit Freunden in einer Bar in SanTelmo ausklingen. Im Hotel angekommen erfreut sich Mona über die mittlerweile abartig riechenden, verschwitzten Konzert-Klammotten – Irgendwann müssen wir die mal waschen, die Luft im Zimmer wird nicht besser :-)

Da wir keine Minute verschlafen wollen geht’s am nächsten Morgen wieder raus in die Sonne von Buenos Aires. Was wir in SanTelmo und Boca erleben berichten wir Morgen …


Johannes: Dann will ich mich auch mal wieder zu Wort melden. Wenn es um das W-Lan geht haben Toby und Tobi eindeutig das bessere Los gezogen. Mit wenig Schlaf in den Knochen ging es ein wenig Palermo erkunden bis sich ziemlich schnell der kleine Hunger bemerktbar machte. Wir, dass sind Sebi und Tobi (ja es gibt noch einen Dritten) beschlossen nach kurzer Diskussion, dass wir mal Steak probieren wollen. Allerdings entpuppte sich das Vorhaben nach zweistündiger Suche nach einem Steakhouse als eher schwer. Eine Alternative musste her.

Die Alternative stellte sich dann in Form von Pizza dar. Oder soll ich eher sagen: Käse? Halleluja! Wenn ihr mal hier seid und auf Käse steht, kann ich euch nur das Pinamar Café in Palermo ans Herz legen!

Gut gestärkt fuhren wir dann los zum Teatro Vorterix. Auch auf dieser Fahrt musste ich feststellen, dass Auto fahren in Buenos Aires eine Kunst für sich ist. Beim Teatro angekommen, ging es zügig rein, weil wir uns das Spektakel mal von oben anschauen wollten. Was wir dann erlebt haben ist wohl kaum in Worte zu fassen... "Der nackte Wahnsinn, ihr müsstet hier sein!"

Venceremos!